Brettspiele digital ausprobiert

Unser monatlicher Spieleabend kann derzeit nicht stattfinden, daher habe ich mich auf die Suche nach Brettspielen gemacht, die man auch gemeinsam/alleine am Smartphone oder Tablet spielen kann. Zwei Spiele möchte ich hier vorstellen:

Ganz schön clever

Ganz schön clever
Ganz schön clever

„Ganz schön clever“ ist ein Würfelspiel, das man offline mit bis zu vier Spielern spielen kann. Die App-Version lässt sich allerdings nur alleine bzw. gegen den Highscore spielen.

Für mich persönlich ist ein Highscore schon Motivation genug. Die App ist simpel und selbsterklärend aufgebaut. Eine Runde dauert etwa 5-10 Minuten, je nachdem wie lange man über seinen Würfeln brütet.

Bei „Ganz schön clever“ geht es darum, die fünf Farbwürfel möglichst gut auf dem eigenen Spielblatt einzusetzen und viele Punkte zu bekommen. Die Wahlmöglichkeiten sind groß und durch geschicktes Kombinieren lassen sich im späteren Verlauf des Spieles auch Bonusfelder nutzen, die die Punkteausbeute steigern.

Im AppStore kostet das Spiel derzeit 3,49€.

Istanbul

Istanbul ist ein Händlerspiel für bis zu vier Spieler. In der App kann man gegen Computergegner (leicht, Mittel, schwer) oder gegen echte Spieler antreten.

Das Spiel kostet derzeit 7,99€ im AppStore.

In Istanbul eilen Kaufleute mit ihren Gehilfen durch das Basarviertel. Sie handeln mit ihrer Ware, bauen ihre Karren aus, versuchen sich am Glücksspiel. Ihr Ziel ist Reichtum, der Besitz von wertvollen Rubinen.

Im Rundenverlauf besuchen die Kaufleute die verschiedenen Orte und führen dort Aktionen aus, um am Ende des Spiels 5 Rubine zu besitzen.

Grundsätzlich ist in diesem Spiel jeder Spieler erst einmal auf seine eigenen Spielzüge konzentriert. Interaktion zwischen den Spielern findet statt, wenn sich Kaufleute an Orten begegnen, das kostet dann Geld.

Es ist immer sinnvoll, die Strategien der Mitspieler im Blick zu behalten. Es kann vorkommen, dass man sich durch ähnliche Strategien im Wege steht und gegenseitig blockiert.

Mir gefällt an dem Spiel, dass man sich Strategien zurecht legen kann, diese aber auch durchkreuzt werden können.

Das Spiel ist sehr variabel, da sich das Spielfeld immer unterschiedlich aufbauen lässt und sich dadurch auch das Spielerlebnis verändert.

Krebs und Corona

Am Donnerstag, den 12.03.2020 habe ich im Uniklinikum meine Krebsdiagnose erhalten: diffus großzelliges B-Zell Lymphom.

In Deutschland waren zu diesem Zeitpunkt etwa 3000 SARS-Cov-2-Infektionen bekannt. Schulen und Kitas wurden am darauffolgenden Freitag in fast allen Bundesländern geschlossen. Tirol und Madrid wurden als internationale Risikogebieten gelistet.

Mich persönlich hat das Thema Corona bis zu diesem Zeitpunkt vor allem aus beruflicher Perspektive beschäftigt. Zwei Klassenfahrten, die wir im Rahmen einer meiner Arbeitsbereiche durchführen, wurden abgesagt. Ich war regelmäßig in Gesprächen mit Jugendherbergen und Lehrerinnen, das Thema war sehr präsent.

Mit der Krebsdiagnose hat sich dann auch mein Blick auf die Pandemie verändert. Plötzlich gehörte ich zur Risikogruppe. Mit einer immunschwächenden Chemotherapie in unmittelbarer Aussicht, brachte dies bei mir Ängste und Sorgen für meine persönliche Gesundheit in den Vordergrund. Wo ich vorher über berufliche Konsequenzen nachgedacht habe, überlegt habe, was diese Pandemie für gesellschaftliche Konsequenzen haben könnte, oder wer in meinem Umfeld ein erhöhtes Risiko hat, nun die Sorge um mich ganz persönlich.

Nach der Diagnose habe ich erstmal versucht meine Angewohnheiten, wie ich an Nachrichten komme und mich informiere, beizubehalten: regelmäßiger Blick auf Twitter, Deutschlandfunk.de und abends ein paar Podcasts hören. Schnell habe ich aber gemerkt, wie mich insbesondere Twitter und andere soziale Medien mental überforderten. Die Pandemie entwickelt sich rasend und jeden Tag gibt es neue Meldungen. In meiner persönlichen Situation war das zuviel. Meinen Twitter-Account habe ich deaktiviert, ich schaue nur noch zweimal täglich auf die Nachrichtenseite.

Wichtig ist mir jetzt, und ich glaube so geht es vielen, ob schwer krank oder nicht, der persönliche Kontakt zu Familie und Freunden. Ich habe in den letzten Tagen mit so vielen Menschen gesprochen, per Telefon, FaceTime, Chat… Ich finde es unglaublich, wieviel Unterstützung ich erhalte.

In den Medien liest man oft, dass das Gesundheitssystem vor dem Kollaps stehen könnte, sollte sich die Epidemie in Deutschland weiterhin so rasant ausbreiten. Aus meiner ganz persönlichen Perspektive als Patient im Uniklinikum Aachen: Ich bekomme die bestmögliche Behandlung. Ärztinnen und Pflegepersonal machen einen tollen Job. Sie sind auf Station derzeit etwas unterbesetzt. Ob das an der Epidemie liegt, kann ich nicht sagen.

Die Sicherheitsvorkehrungen sind natürlich enorm. Es gilt absolutes Besuchsverbot. Das komplette Personal trägt Schutzmasken, Desinfizieren ist eh Standard. Bisher mache ich mir noch keine Sorgen, dass meine Behandlung durch die Epidemie beeinträchtigt sein könnte. Hoffen wir, dass es so bleibt.

Wenn ich demnächst aus dem Krankenhaus entlassen werde, muss ich mich noch viel mehr um meine Sicherheit kümmern. Social distancing wird mein Mantra der nächsten Monate sein. Zum Glück gibt es das Internet und ich kann mit Familie und Freunden in Kontakt bleiben.

Stationäre Aufnahme

Anruf bei Schwester Jeanette: Ich trage keine Corona- oder Influenza-Viren in mir, also kann es heute auf Station gehen.

Auf Station heißt es erstmal ankommen für mich. Eine ungewohnte Situation, ich war noch nie länger als eine Übernachtung am Stück im Krankenhaus. Ich lerne ein wenig meinen Zimmernachbarn kennen, sympathischer Kerl.

Nach nicht allzu langem Warten beginnt dann auch schon die Behandlung. Meine Ärztin klärt mich im Detail über die anstehende Behandlung auf. Dann hänge ich am Tropf. Zuerst gibt es als Vorspülung einen Medikamentencocktail und Kochsalzlösung. Danach startet die Immuntherapie, bei mir in den folgenden Stunden mit steigender Dosis die Antikörper verabreicht werden. Die Dosis startet bei 40ml/h und am Ende lief es mit 120ml/h.

Neben den Infusionen muss ich viermal am Tag eine Mundspülung machen. Eine der häufigsten Nebenwirkungen sind Entzündungen in der Mundhöhle.

So neigt sich der erste Tag zu Ende, mein persönliches Empfinden ist, dass ich alles gut vertrage bisher. Ich habe aber auch das Gefühl, dass alles erst ganz am Anfang steht. Ich denke, dass ich morgen dann die Chemotherapie-Medikamente dran sind.

PET-CT

Heute war der letzte Tag der Voruntersuchungen. Am Montag wurde meine Lungenfunktion getestet: bitte einmal kräftig pusten. Dann wurde noch ein EKG gemacht und abschließend eine Knochenmarkpunktion. Die habe ich schön verschlafen, dank Dormikum. Leider habe ich dann eine Untersuchung vergessen, das UKG (Ultraschalluntersuchung des Herzens und in meinem Fall auch der Lunge, glaube ich jedenfalls), das habe ich dann am Dienstag nachgeholt.

Heute wurde dann das PET-CT gemacht. Dafür habe ich sowohl oral als auch intravenös eine radioaktive Zuckerlösung verabreicht bekommen und wurde für etwa eine Stunde durch das CT gefahren. Das war etwas anstrengend, da ich die meiste Zeit meine Arme über den Kopf halten musste. Aber ging schon irgendwie und die Sorge meiner latenten Klaustrophobie war unbegründet, da das CT offen war.

Oben auf der ITA (interdisziplinären Tumorambulanz) im Uniklinikum wurden dann noch zwei Abstriche aus meinem Rachen gemacht: zweimal bitte würgen. Es wird auf Influenza und Corona getestet. Ganz praktisch: man muss nur Krebs haben, schon wird man auf Corona getestet.

Kleiner Lifehack, den ich allerdings nur bedingt weiterempfehlen kann.

Wenn ich morgen früh auf Station anrufe und die Testergebnisse da sind und auch negativ sind, dann heißt es: Ab ins Uniklinikum und Beginn der ersten Chemotherapie.

One of these days

the ground will drop out from beneath your feet…
Tja, eigentlich sollte das ein Blog über die schönen Seiten des Lebens werden. Das Leben hat erstmal anderes mit mir vor…
Vor einer Woche habe ich die Diagnose Krebs erhalten und sie hat mir den Boden unter den Füßen weggezogen. Das hier ist ein Versuch mit dieser Diagnose umzugehen, sich die Gedanken von der Seele zu schreiben.
Viele Gedanken und Gefühle konnte ich schon mit anderen Menschen teilen, dafür bin ich unendlich dankbar und es gibt mir Kraft.

Ich bin ehrlich: Die Welt da draußen habe ich nie wirklich verstanden, ich bin ein Grübler, denke über alles nach. Was derzeit passiert wirkt auf mich völlig surreal. Seit dieser Woche bin ich nicht mehr in der Lage Nachrichten zu verfolgen, geschweige denn soziale Medien… es ist zuviel. Dabei ist es nichtmal böswillig, ich interessiere mich sonst für alles was auf der Welt passiert. Ich bin völlig auf mich zurückgeworfen… jeder Gedanke führt zwangsläufig zurück auf mich und meine Diagnose…

Die erschütternsten Gedanken sind allerdings, wenn ich mir vorstelle, was meine Diagnose bei anderen Menschen auslöst. In vermeintlich klaren Momenten spreche ich mit Menschen über meine Diagnose, als wäre es einfach eine verrenkte Schulter, erzähle wie selbstverständlich, was die nächsten Monate auf mich zukommt: Chemotherapie, Bestrahlung… das wird schon. Viele Menschen sind zu Beginn sprachlos, ausnahmslos alle bieten mir ihre Unterstützung an… das berührt mich.
Nach den Gesprächen stelle ich mir dann aber auch die Fragen: War das in Ordnung? Kann ich damit so offen umgehen? Bin ich zu direkt?
Ich kann den Menschen nicht in ihre Köpfe schauen und nur bedingt beeinflussen, was meine Diagnose mit ihnen macht. Im Laufe der Woche ist mir klar geworden, dass ich zwar offen mit meiner Diagnose umgehen möchte, aber nicht wie eine Dampfwalze damit andere überrollen will. Ich hoffe, das gelingt mir.

Die dunklen Momente geben sich aktuell mit den helleren die Klinke in die Hand, meine Stimmung wechselt mehrmals täglich. Grundsätzlich sehe ich positiv in die Zukunft.
Ich weiß, dass ich im Uniklinikum gut versorgt bin. Die Ärzt*innen und das Pflegepersonal kümmern sich toll um mich.
Mein soziales Netz ist stark (trotz social distancing) und ich kann auf den Rückhalt meiner Familie zählen.
Bisher kann ich davon ausgehen, dass meine Heilungschancen sehr gut sind.

All das gibt mir die Hoffnung, dass ich die nächste Zeit überstehen werde.
Yeah, it´s alright. I said it´s alright.

Pandemic Legacy Season 1: Das Spiel für die Quarantäne?

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Gestern habe ich diesen Tweet in meiner Timeline gesehen. Da ich seit einigen Monaten mit ein paar Freunden das Spiel „Pandemic Legacy Season 1“ spiele, dachte ich mir, dass doch nun ein guter Zeitpunkt ist, dazu etwas zu schreiben und vielleicht überzeugt es ja den einen oder die andere, dieses Spiel mal zuhause auszurobieren.

Ich kann dieses Spiel nämlich tatsächlich auch empfehlen, und vielleicht lernt man auf diese Weise auch etwas zum Thema Pandemie und exponentielles Wachstum. Grundsätzlich sollte aber mindestens eine Person mitspielen, die eine gewisse Spielerfahrung mitbringt. Insbesondere in späteren Partien wird das Spiel sehr regelintensiv. Daher empfehle ich auch ein Mindestalter von 12 Jahren.

Worum geht´s?

In „Pandemic Legacy Season 1“ wird die Welt nicht nur von einem Virus sondern von insgesamt 4 Krankheiten heimgesucht. Aufgabe der Spieler*innen ist es diese Krankheiten zu besiegen, und zwar gemeinsam.
Pandemic Legacy ist also ein kooperatives Teamspiel, beim dem alle zusammenarbeiten müssen.
Die Aufgaben erstrecken sich von Aufbau einer Infrastruktur (Forschungszentren, Militärbasen, etc.), der Suche nach Heilmitteln, und der Verhinderung weiterer Ausbrüche.
Das besondere an der Legacy-Edition ist, dass das Spiel sich mit jeder Partie weiter entwickelt. Jede Runde stellt einen Monat dar, und Entscheidungen in der Januar-Partie haben Folgen für die Februar-Partie. Das macht das Spiel sehr dynamisch und für jede Spieler*innen-Gruppe einzigartig. Insgesamt lässt sich jeder Monat zweimal spielen, also bietet das Spiel insgesamt 12-24 Partien an.
Das Spiel verfügt über eine große Anzahl an Stickern, Schachteln, Figuren (…), die alle im Verlauf der Partien hinzukommen und auch das Spielbrett und die Spielfiguren neu gestalten.

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Wie wird gespielt?

Eine komplette Spielanleitung spare ich mich hier, das hat der Hersteller schon ganz gut hinbekommen. Damit ihr aber einen Eindruck von der Spielmechanik erhaltet, hier folgendes:
Zu Beginn jeder Runde wählen die Spieler (2-4) einen Charakter aus (siehe Bild oben). Dieser Charakter verfügt über spezielle Eigenschaften, die er im Spiel einsetzen kann. Auch hier ist eine Abstimmung mit den anderen Spieler*innen wichtig. So gibt es z.B. den Sanitäter, der sehr gut Krankheiten behandeln kann, oder den Logistiker, der Spielfiguren sehr gut über das Spielbrett bewegen kann.

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Das Spielbrett zeigt die Weltkarte, die in 6 Regionen unterteilt ist, und die größten Städte auf den Kontinenten. Auf dieser Weltkarte bewegen sich die Spieler*innen zwischen Städten hin und her um:

  • Infrakstruktur zu bauen: Forschungszentren sind enorm wichtig.
  • Krankheiten zu behandeln: Diese werden im Spiel in Würfelform dargestellt. Je mehr Würfel in einer Stadt liegen, desto mehr Infektionen gibt es dort. Jedes Mal wenn in einer Stadt mehr als drei Würfel liegen (sollten), breitet sich die Krankheit in die umliegenden Städte aus.
  • Wissen teilen: Auf der Suche nach Heilmitteln sammeln die Spieler*innen Karten, die sie untereinander auch tauschen können. Wenn man eine bestimmte Anzahl an Karten der gleichen Sorte hat, kann man die
  • Krankheit heilen.

Was gefällt mir am Spiel?

Mit meinen Freunden habe ich bereits etwa 6 Partien gespielt. Neben der grundsätzlichen Spielemechanik reizt uns als Gruppe vor allem die Story und deren Entwicklung. Das Spiel schafft es sehr gut, dass man mitfiebert, wie es weiter geht und welche Entscheidungen gravierende Folgen haben. Dabei passt das Spiel auch den Schwierigkeitsgrad an, wenn die Gruppe eine Partie nicht so gut abgeschlossen hat.
Das Spiel ist nicht einfach und kann manchmal auch zu frustrierenden Momenten führen, z.B. wenn Regeln nicht ganz klar sind.
Der Hauptgrund warum dieses Spiel aber uns als Gruppe soviel Spaß macht ist die Kooperation. Durch die Charaktere fühlt man sich wirklich wie ein Forschungsteam, das gemeinsam die Welt rettet. Einzelgänge funktionieren in diesem Spiel nicht, jeder Schritt und jede Aktion muss mit dem Team abgesprochen werden.

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