Krebs und Corona

Am Donnerstag, den 12.03.2020 habe ich im Uniklinikum meine Krebsdiagnose erhalten: diffus großzelliges B-Zell Lymphom.

In Deutschland waren zu diesem Zeitpunkt etwa 3000 SARS-Cov-2-Infektionen bekannt. Schulen und Kitas wurden am darauffolgenden Freitag in fast allen Bundesländern geschlossen. Tirol und Madrid wurden als internationale Risikogebieten gelistet.

Mich persönlich hat das Thema Corona bis zu diesem Zeitpunkt vor allem aus beruflicher Perspektive beschäftigt. Zwei Klassenfahrten, die wir im Rahmen einer meiner Arbeitsbereiche durchführen, wurden abgesagt. Ich war regelmäßig in Gesprächen mit Jugendherbergen und Lehrerinnen, das Thema war sehr präsent.

Mit der Krebsdiagnose hat sich dann auch mein Blick auf die Pandemie verändert. Plötzlich gehörte ich zur Risikogruppe. Mit einer immunschwächenden Chemotherapie in unmittelbarer Aussicht, brachte dies bei mir Ängste und Sorgen für meine persönliche Gesundheit in den Vordergrund. Wo ich vorher über berufliche Konsequenzen nachgedacht habe, überlegt habe, was diese Pandemie für gesellschaftliche Konsequenzen haben könnte, oder wer in meinem Umfeld ein erhöhtes Risiko hat, nun die Sorge um mich ganz persönlich.

Nach der Diagnose habe ich erstmal versucht meine Angewohnheiten, wie ich an Nachrichten komme und mich informiere, beizubehalten: regelmäßiger Blick auf Twitter, Deutschlandfunk.de und abends ein paar Podcasts hören. Schnell habe ich aber gemerkt, wie mich insbesondere Twitter und andere soziale Medien mental überforderten. Die Pandemie entwickelt sich rasend und jeden Tag gibt es neue Meldungen. In meiner persönlichen Situation war das zuviel. Meinen Twitter-Account habe ich deaktiviert, ich schaue nur noch zweimal täglich auf die Nachrichtenseite.

Wichtig ist mir jetzt, und ich glaube so geht es vielen, ob schwer krank oder nicht, der persönliche Kontakt zu Familie und Freunden. Ich habe in den letzten Tagen mit so vielen Menschen gesprochen, per Telefon, FaceTime, Chat… Ich finde es unglaublich, wieviel Unterstützung ich erhalte.

In den Medien liest man oft, dass das Gesundheitssystem vor dem Kollaps stehen könnte, sollte sich die Epidemie in Deutschland weiterhin so rasant ausbreiten. Aus meiner ganz persönlichen Perspektive als Patient im Uniklinikum Aachen: Ich bekomme die bestmögliche Behandlung. Ärztinnen und Pflegepersonal machen einen tollen Job. Sie sind auf Station derzeit etwas unterbesetzt. Ob das an der Epidemie liegt, kann ich nicht sagen.

Die Sicherheitsvorkehrungen sind natürlich enorm. Es gilt absolutes Besuchsverbot. Das komplette Personal trägt Schutzmasken, Desinfizieren ist eh Standard. Bisher mache ich mir noch keine Sorgen, dass meine Behandlung durch die Epidemie beeinträchtigt sein könnte. Hoffen wir, dass es so bleibt.

Wenn ich demnächst aus dem Krankenhaus entlassen werde, muss ich mich noch viel mehr um meine Sicherheit kümmern. Social distancing wird mein Mantra der nächsten Monate sein. Zum Glück gibt es das Internet und ich kann mit Familie und Freunden in Kontakt bleiben.

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